Benno Ohnesorg ein “Schwachkopf”?

Auch bei der aktuell stattfindenden Umschreibung der bundesrepublikanischen Geschichte ist Wikipedia ganz vorne mit dabei. War der am 2. Juni 1967 von dem Polizeibeamten Karl Heinz Kurras anläßlich einer Anti-Schah-Demonstration in Berlin erschossene Student Benno Ohnesorg ein “Schwachkopf”? Jemand, der zur “richtigen Zeit” vom “richtigen Täter” erschossen wurde? Nun, die immer weiter fortschreitende Verrohung der wikipedianischen Umgangsformen ist für Leserinnen und Leser dieses Blogs nichts Neues. Dass einige Projektadmins mittlerweile auch strafrechtlich relevante Statements zu Personen als tolerable Bagatelldelikte betrachten, ist allerdings ein (noch) neues Phänomen. Am 4. Juni setzte ein einschlägig bekannter Stammautor aus dem Themenbereich Militär ein Statement ab, dass möglicherweise Konsequenzen haben kann. O-Ton auf der Diskussionsseite zum Wikipedia-Artikel “Benno Ohnesorg”: “Wie wärs mit ‘Ohnesorg war einfach ein Schwachkopf, der zur richtigen Zeit und vom richtigen Täter erschossen wurde’? Damit ist seine historische Relevanz ja erschöpfend umfasst …”

Online stand der als Diskussionsstatement verbrämte Schmähtext fast eine halbe Stunde. Dabei verriet sich die persönliche Haltung zum Ohnesorg-Tod nicht nur durch die bislang nicht stattgefundene Mitarbeit am Ohnesorg-Lexikonartikel. Auch die Wortwahl ließ an Klarheit wenig zu wünschen übrig. Wenn es schon der “richtige Täter” war: Warum nicht “falscher Ort” – was man zur Not noch so interpretieren könnte wie “dumm gelaufen”? Die Tatsache, dass Ohnesorg an der Anti-Schah-Demo am 2. Juni gar nicht unmittelbar beteiligt war und (selbst aus der Sicht der Law-and-Order-Hardliner, welche die harte Durchgreiflinie des 2. Juni-Polizeieinsatzes befürworten) “irrtümlich” erschossen wurde, fegt der Schreiber durch die Wahl des Wörtchens “richtig” implizit beiseite. Fazit, so muß man diesem Highlight sachbezogener Artikeldiskussion entnehmen: Der Pazifist Ohnesorg war selber schuld. Ob mitdemonstriert oder nur passiver Passant – schade ist es um so einen sowieso nicht.

Strafrechtlich gesehen ist die Herabwürdigung des Andenkens Verstorbener zwar alles andere als ein Bagatelldelikt. Dies gilt selbst für eine ansonsten wertvolle Internet-Enzyklopädie. Leider gilt auch: Da Wikipedia von einer US-amerikanischen Wohltätigkeitsorganisation betrieben wird und in Deutschland zusätzlich ein Lobby-Verein existiert, der in solchen Fällen gemeinhin die Wogen glättet, ist die Sensibilität bei potenziell heiklen Themen nicht sehr hoch zu veranschlagen. Auch in Bezug auf die projektinterne “Öffentlichkeit”, die Fehlentscheidungen korrigieren könnte, sieht die Lage wenig ermutigend aus. Nachdem die Erfahrung der Jahre 2007 und 2008 gelehrt hat, dass das virtuelle Kesseltreiben gegen projektinterne Gegner wenig Resonanz in der Öffentlichkeit nach sich zieht, wähnt sich die zweite Generation der Wikipedia-Aktivisten – vorwiegend ein paar Dutzend Hardcore-Nerds, die sich über die Chatkanäle der Wikipedia koordinieren – sicher aufgehoben in einem rechtsfreien virtuellen Raum.

Darf man trotzdem auf ein paar enzyklopädische Restskrupel hoffen, oder zumindest Sorgen um das allgemeine Renommée von Wikipedia in der Öffentlichkeit? Nicht wirklich. So zynisch es klingt: Der Fall Seigenthaler und weitere Fälle haben für einen gewissen Abbrüheffekt gesorgt. Das mediale Love Bombing, dass auf die Seigenthaler-Affaire 2005 folgte, hat der Community gezeigt, dass sich selbst größere Rufmordaffären letztlich erfolgreich aussitzen lassen. Dass sich der Wikipedia-Enthusiasmus allgemein längst gelegt hat und normale Menschen es eher vermeiden, sich bei Wikipedia zu engagieren (siehe auch den Anfang des auf dieser Seite aufrufbaren 3sat-Features), ficht die Projektaktiven des Jahres 2009 wenig an. Das Wachstum mag stagnieren und die wissenschaftliche Fachwelt fernbleiben, aber so idealistisch, wie wohlmeinende Berichte nahelegten, war Wikipedia nie. Nachdem ein Großteil der internen Kritiker entweder weggegrätzt wurde oder sich angepaßt hat, ist das wichtigste Projekt des Projekt-Mittelbaus sicher in trockenen Tüchern: die unangefochtene Hausmeisterrolle im Cyberspace-Lexikon. Die Art und Weise, wie die derzeit das Bild bestimmende Admin-Clique auf das Statement über richtige Täter und richtige Opfer reagierte, spricht so für sich selbst: ein Tag Sperre – eine Sanktion, die– der kollegialen Verbundenheit mit dem einstellenden Autor zwar durchaus gerecht wird, im Ergebnis allerdings eher als Einladung wirken dürfte, weitere Haß- & Häme-Statements bei Wikipedia-De-Eh abzuladen.

War es das? Nicht ganz. Ein Admin, der aus der Reihe ausscherte und die Sperre zwischenzeitlich auf drei Monate erhöhte, wurde während der anschließenden Sperrprüfung von seinen Admin-Kollegen massiv unter Druck gesetzt und von einer anonymen IP mit Prügel bedroht. O-Ton, rechtschreibtechnisch originalbelassen: “vielleicht sollte man dir mal richtig eine Scheuern, auf deine dicken Backen, damit das Signal in deinem Minigehirn auch ankommt.” Die heraufgesetzte Sperre wurde noch am selben Tag von einem Kollegen ausgehebelt und auf das ursprüngliche Intervall herabgesetzt – also einen Tag. Auch sonst zeitigt der stetig anwachsende Konformitätsdruck die zu erwartenden Folgen: Projektausstiege von Autoren. Zwei explizit nichtrechte Autoren haben aufgrund der Art, wie mit dem Vorfall umgegangen wurde, ihre Mitarbeit eingestellt. Begleitet wurde der Abgang (ein Statement nebst Diskussion: hier) – auch dies ist in Wikipedia mittlerweile alltäglicher Usus – von unverhohlener Schadenfreude, Häme und Nachtreten. Dass die deutsche Lexikoncommunity durch den mit Liebkosung sanktionierten Schwachkopf-Vergleich einen Artikelautor verliert, der im projektinternen Ranking der fleißigsten Autoren ganz vorne rangierte, wird offensichtlich als Marginalie gewertet; willige Militaria-Autoren, so steht zu vermuten, werden die Reihen schnell schließen. Post Sriptum: Ein dritter Autor aus dem adminkritischen Spektrum hatte seine Mitarbeit bereits ein paar Tage zuvor eingestellt. Anlaß: Nicht unmittelbar mit der “Causa Ohnesorg” zusammenhängend, aber strukturell ähnlicher Natur. Sonstige Folgen, Hinterfragen des Vorgangs, Deadministrierungen von Admins, die menschenverachtende Ausfälle durchgehen lassen oder klammheimlich bis offen damit sympathisieren? Fehlanzeige. Auffällig ist an der “Causa Ohnesorg” lediglich eines: Der Mangel an Widerspruch, mit dem dieses enzyklopädische wie menschliche Volldesaster über die Bühne ging.

Im Hinblick auf weitere Vorfälle könnte man, wenn es der Ernst der Lage nicht verbieten würde, sagen: Es wird mit Wikipedia sicher noch lustig. Artikel- und autorentechnisch mag das Portal zwar nicht mehr viel größer werden – dafür allerdings grasser. Richtig grass sind folgerichtig auch bestimmte Nähen, die sich durch Aktionen dieser Art zwangsläufig ergeben. Gibt man bei Google etwa die Kombination

“Schwachkopf” & “Benno Ohnesorg”

ein, findet sich – wir ahnen, warum – gleich auf Platz zwei eine Wikipedia-Seite. Nicht weit dahinter folgt ein Forum, auf dem man das auf Platz zwei gewonnene Wissen weiter vertiefen kann. Thema: das Problem des weltweiten jüdischen Einflusses. Ins Google-Ranking schaffen könnten es derzeit auch einige wikipedianische Latrinenparolen, mit denen Rechtsanwälte sowie der Autor dieses Blogs beglückt werden: “Rechtsabfall” und “Schweinehund”. Die Schmähungen (Anlaß ist ein Artikel, der sich kritisch mit militaristischen Tendenzen in Wikipedia auseinandersetzte sowie einigen sehr “schlagkräftigen” Umgangsformen) stehen weiterhin online – auch in diesem Fall tatkräftig sekundiert von Mitgliedern der “Adminpedia”. Ein besonders verantwortungsbewußtes Exemplar dieser Spezies war sich dabei nicht zu schade, eine bereits gelöschte Publikumsbeschimpfung mit unflätigsten Ausfällen wieder einzustellen. “Flachpfeifen”? In den Worten von Achates, nach Auskunft eines kritischen Users einer der “zwanzig bis dreißig schlimmsten Admins”, hat man das schon abzukönnen. Zitat: “In der Tat, dass ist kein Umgangston, wie er sich in den Puppenstuben der Upper class geziemt, aber wer den hier angeblich ausgesprochenen PA (= persönlicher Angriff, Anm. d. V.) findet, der darf ihn entfernen.”

Welcher Umgangston in den Puppenstuben der Wikipedia-Admins andersherum als akzeptabel gilt, kann man in zahlreichen Beiträgen dieses Weblogs nachlesen. Umgekehrt ist die projektinterne Nachbereitung des “Schwachkopf”-Vergleichs nicht gerade etwas für schwache Nerven. Neueste Erkenntnis aus dem Wikipedia-Versuchslabor: Ohnesorg habe zu einem “gesellschaftlich opportunem Zeitpunkt buchstäblich den Kopf hingehalten.” Den Kopf hingehalten? Auf die Umsetzung der neuen Erkenntnisse im Ohnesorg-Artikel darf man sich schon gespannt sein. Die Tatsache, dass Wikipedia, so ein beliebtes Admin-Bonmot, “kein Mädchenpensionat” ist (eher schon eine von Internet-Nerds am Laufen gehaltene und von gutgläubigen Spendern finanzierte Pseudo-Kadettenschule), spricht sich auch außerhalb der Cyberspace-Parallelwelt langsam rum. Fazit: Die faulen Äpfel aus dem Garten des Lexikon-Gurus Jimmy Wales mögen mit der Zeit zwar nicht genießbarer werden. Aber immerhin werden sie von Jahr zu Jahr besser erkennbar.

Günter Schuler

7 Reaktionen zu “Benno Ohnesorg ein “Schwachkopf”?”

  1. Veritas

    War ja klar, dass Mr. Schuler nun generalabrechnet, nachdem er Monate lang nichts gefunden hatte (Schreibblockade?). Außerdem werden sicherheitshalber die Hintergründe für die cause “Ironhoof” mal wieder verschwiegen, schließlich soll ja Herr Schuler als der Unschuldige, und er selbst als der Unschuldigen dargestellt werden. War ja klar, ich Idiot!

    Und was die cause “MARK” betrifft, nun, endlich, ja endlich gibt es eine legale (natürlich) Möglichkeit, nun mit ihm abzurechnen. Los, auf geht’s, wir sind ja unter uns als wahrheitsliebendes (Diderot) und gebildetes (dieser Blog) Volk.

    Komisch ist nur, dass aus der angedrohten Klage seitens Schuler anscheinend nichts geworden ist. Mit Gewalt geht wohl doch nicht alles. Mal mit Abmahnungen taktieren? Diesen Punkt hatte wohl Schuler total “übersehen” – Wikipedia outside -, eigentlich eine viel größere Sauerei. Naja, nobody’s perfect, gelle?

    Aber andererseits…wenn man Hausverbot bei Wiki hat (?) oder gar nicht mehr editiert, Herr Schuler, fällt einem natürlich die Kritik viel einfacher. Freue mich schon auf die zahlreichen geistvollen Kommentare, alle natürlich nicht strafrechtlich relevant! Nie, nicht hier, nein nein…

  2. Simplicius

    Für viele Wikipedianer wird es zunehmen schwierig, noch mit Motivation beim Projekt Wikipedia zu verbleiben.

    Beispiel für das typische Admingehabe:

    “Hallo, die Prüfung wird von einem Admin beendet. Ich bin Admin (siehe
    WP:LDA), du nicht. Unterlasse so was wie das. Solltest du es erneut
    machen, wird man dich als Vandalen sperren. Die Löschung von Racktours
    bleibt bestehen. — blunt.”

    Mich enttäuscht es, wenn ein Benutzer die Augen von Günter Schuler als “Schweinsäuglein” bezeichnet und noch Rückendeckung bein Admin Achates findet.

    Dass ein Benutzer aus dem Portal Militär in der Wikipedia den toten Studenten Benno Ohnesorg als einen “Schwachkopf” titulieren konnte und das von Syrcro und anderen Admins zunächst nahezu unsanktioniert durchgewunken wurde, ist das leider typisch. Man kann ahnen, welchen Geistes Kind einige Admins sind.

    Ein Benutzer mit dem Pseudonym Björn Bornhöft bezeichnete einige kritische Autoren beim Diderot-Club (oben von Veritas angesprochen) als “Didioten” und “Laberbacken”. Das gibt minimale 24 Stunden Sperre. Der gleiche Benutzer schrieb gestern an Widescreen: “Ich spucke aus vor Dir.” Natürlich wurde Widescreen gesperrt.

    Für einen intelligenten Menschen hat das Arbeitsumfeld der Wikipedia keine Perspektive. Bei vielen, die im Projekt noch verblieben sind, kommt die Motivation nur aus dem Reservetank.

  3. Brummfuss

    Für mich ist der Knackpunkt v.a., dass Benutzerkonten erst bzw. nur gesperrt werden, wenn sie die Adminfolklore erheblich stören, und nicht, weil sie sich negativ auf die Artikel auswirken oder gar strafbare Äußerungen veröffentlichen. Genau andersrum müsste es sein, wenn die Wikipedia nicht Selbstzweck zur Beschäftigung einer immer kleiner werdenden, abgeschotteten Personengruppe dienen soll. Hier zu kann man sich auch die Beispiele von Günter, von Simplicius oben oder eigentlich fast beliebige Diskussionen zu Metafragen anschauen. Der Tonfall ist unterirdisch.

    Die Adminschaft ist nicht in der Lage, extremistischen oder antidemokratischen POV in Artikeln zu erkennen und und sehen daher die Probleme vermutlich wirklich nicht oder erst zu spät. Die Ursache dafür sind auch kulturelle Unterschiede.

    Andere Admins widerum sind auch nicht Willens, etwas dagegen zu unternehmen. So sehen diese es als unproblematisch an, wenn mit den Servern des Projetktes hochauflösende Grafiken von verbotenen Organisationen, also Nazi-Devotionalien, verbreitet werden. Der Einsatz, den z.B. Mark hier mit Leidenschaft erbracht hat, war ihnen auch anscheinend ganz recht.

    Schreibverbot und “administrative” Drohungen hingegen erhielten jene, die sich mit Anderen stritten, um die Ermordung oder Inhaftierung von Widerstandskämpfern im Dritten Reich als Mord, Justizmord und nicht als “Hinrichtung” oder “Verurteilung” bezeichnet zu wissen.

    Aber in der Tat, was ist eigentlich mit jenen, die selbst so krasse Äußerungen wie jenen von Mark einfach durchwinken? Hier spreche ich auch z.B. von Achates. Jene werden “Admin”, “Mentor”, “Schiedsrichter” und schmücken sich mit den höchsten Ämtern des “Wikiversums”, wie das inzwischen einem virtuellen Rollenspiel ähnelnde Projekt auch genannt wird. Näheres dazu gibt es auf der Diderotseite von Simplicius.

    Das sind alles nur einzelne Beispiele. Ich verstehe die Enttäuschung, die momentan groß ist bei den verbliebenen ernstzunehmenden Autoren. Der Patient “Wiki-Community” ist präfinal. Da fällt es mir schwer überhaupt noch etwas Konstruktives aus diesen Konflikten zu machen, nachdem man über 5 Jahre auf die Defizite in dem System hingewiesen hat.

    Wikipedia ist nur noch zum weglaufen; in anderen Punkten wäre es sogar auch mal sinnvoll, wenn dieser “rechtsfreie” Raum in der Tat geschlossen wird und vielleicht langfristig auch wirklich von den Rechten frei wird – mit Antidemokraten kann man eben schwer demokratisch arbeiten. Dabei wäre es wirklich denkbar, dass man unabhängig von ideologischen Ansichten gute Artikel zu politischen Themen zusammen (kollaborativ) verfassen kann. Doch diese Kompetenz wird bei einem Internet-Anschluss nicht mitgeliefert, also wen wundert es.

    Schade, ich habe diese Projekt und seine Aktivisten wirklich lange Zeit gemocht.

  4. Arno Nyhm

    Wenn man sich anschaut, wie der oft in Löschdiskussionen tätige Administrator blunt einen Löschantrag auf den Artikel “Für Volksentscheide” stellt und dabei mit seiner Begründung “per WP:RK eindeutig irrelevant” zeigt, dass er schon den zweiten Absatz der Relevanzkriterien überhaupt nicht kennt, wird eindrucksvoll klar, welchen Stellenwert das ohnehin löchrige Regelwerk für manche Administratoren des Projekts hat. Wikipedia ist für sie Wilder Westen, und Gesetze sind was für Weicheier, die keinen Colt oder nicht die richtigen Freunde mit den Knöpfen haben. Man kann diese Gesetze ab und zu nutzen, solange sie einem in den Kram passen, andernfalls nutzt man eben machiavellistisch ihre Schlupflöcher oder Mängel bei ihrer Umsetzung.
    Es passt ins Bild, dass dieser regelwidrige Löschantrag dann nicht entfernt, sondern durch blunts bereits einmal mit der Angelegenheit befassten und damit eigentlich befangenen fränkischen Kumpan Achates positiv beschieden wird. Dass dieser Achates zudem wahrheitswidrig behauptet, der 8-zeilige Artikel stütze sich überwiegend auf eine Primärquelle, zeigt einmal mehr die für einige Administratoren charakteristische Chuzpe (oder – weniger wahrscheinlich – absolute hermeneutische Inkompetenz, die eine sofortige Deadministrierung rechtfertigen würde).

    Selbstherrliches, arrogantes und aufgrund fehlender verbindlicher Regularien kaum zu kontrollierendes Auftreten eines guten Dutzends egomaner Administratoren ist auch nach meiner Meinung ein, ja mit all seinen Folgeerscheinungen (Verrohung der Sitten auch bei anderen Benutzern, dadurch entsprechend üble Ansprache von Neulingen, ergo von potenziellen neuen Spitzenautoren) sogar DAS Hindernis bei der Verbesserung der Wikipedia. Davon sind aber alle Themenfelder und nicht nur die Politik betroffen. Natürlich hat der eher bei den “Linken” anzutreffende Hang zur berechtigten Rebellion (manchmal auch unberechtigten Anarchie) vielleicht den Effekt, dass diese Linken eher in Konflikt mit den Egomanen mit den Knöpfen geraten als “rechte” Benutzer. Diese Korrelation darf aber nicht mit Ursächlichkeit verwechselt werden. Sowohl blunt als auch Achates ist die Wählervereinigung politisch so egal wie jedem von uns. Es geht wie meistens nur darum, stur die einmal getroffene Entscheidung zu verteidigen, weil anscheinend alles andere als Gesichtsverlust empfunden wird. Ob es dabei um “Für Volksentscheide”, Ohnesorg oder die Leuchtschnabelbeutelschabe geht, ist zweit- bis drittrangig. Umgekehrt ist auch Ex-Administrator Jesusfreund kein Unschuldslamm und würde gut in die Riege der von mir als egoman eingestuften passen.

    Was mich an diesem Blog und auch am Diderot-Club um Brummfuß, Simplicius und Widescreen stört, ist also die starke, schwarz-weiß-malende Fixierung auf angebliche Rechts- oder Nazipedia-Tendenzen. Solche nach meinem Eindruck völlig überzogene Kritik fördert nur die ohnehin schon vorherrschende Wagenburg-Mentalität der Administratoren nach dem Motto “Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus”. Dabei müsste es im Gegenteil das Ziel sein, die Zivilcourage der zahlreichen vernünftigen Administratoren zu stärken und diese zu animieren, im Interesse der Verbesserung der Enzyklopädie Fehler ihrer Kollegen durch Overruling zu korrigieren. Leider sind gerade die “guten”, selbstkritischen Administratoren oft viel zu gutmütig und übertrieben konsensorientiert, während die “bösen” fast keine Skrupel kennen.

  5. Widescreen

    Insbesondere an diesem Fall sieht man, dass es lange nicht mehr um die Reputation der Wikipedia als ernst zu nehmendes Projekt geht. Es geht lediglich darum, die Fehler, welche bestimmte Admins in ihrem kaum zu ertragenen Selbsteifer begangen haben, zu vertuschen. Jeder denkt es, keiner wagt es sich das auszusprechen. Die Äußerungen von dem Benutzer mit dem Pseudonym MARK waren durchaus abzusehen. Nur wird in der Wikipedia vermehrt daran gearbeitet, Benutzer, die am “rechten Rand” entlangschurbelen als vorbildliche Autoren zu integrieren, http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Benutzer:Simplicius/Diderot-Club_II&diff=61047276&oldid=61042988 wie man an diesem Link sehen kann. Dabei scheint die wichtigste Tugend nicht die neutrale Darstellung NS-geschichtlicher Artikel zu sein, sondern die widerstandslose Ergebenheit in das System einiger Admins und Autoren, die für sich eine Führungsrolle beanspruchen.

    Nun folgt die Schadensbegrenzung an allen Fronten http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia_Diskussion:Kandidaten_f%C3%BCr_lesenswerte_Artikel#Ein_Sockenzoo_genannt_MARK. Ein Hinterfragen der Struktur, oder zumindest ein wenig Selbstkritik, sucht man vergebens. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein ähnlicher Fall wieder zu großangelegten Säuberung führt.

  6. Veritas

    qed Widescreen (siehe ersten Beitrag oben): “So ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein ähnlicher Fall wieder zu großangelegten Säuberung führt.” Ja, großangelegte Säuberungen waren aber doch eher ein Ding vom Genossen Stalin. Wie ich aber sehe, sind die meisten “lesenwert” bzw. “exzellent” gelobten Artikel des Benutzers MARK in Ordnung. Schöne Arbeit, MARK!

    Oh, moment, wir sind ja gegen Benutzer des “rechten Rand[es]“. Und gegen alle Admins (sind ja auch alle irgendwie nicht links). Ähm, dann ist das alles natürlich eine Sauerei! Jawohl! Diese Vertuscher!

    “Ein Hinterfragen der Struktur, oder zumindest ein wenig Selbstkritik, sucht man vergebens.”
    Genau, Widescreen, genau! DU sagst es!

  7. Widescreen

    Genau davon spreche ich. Schreib einen exzellenten Artikel, dafür darfst Du dann Geschichtsrevisionismus betreiben im Projekt? Und wirst auf der VM mit Samthandschuhen angefasst, wenn Dir dann doch mal ein “Ohnesorg – Schwachkopf” rausrutscht, weil Du ja ein Spitzenautor bist. Saubere Lösung Veritas.