Pranger-Kategorie für Personenartikel

Was ist ein Mörder? Die deutsche Ausgabe des Internet-Lexikons Wikipedia faßt sich hier lapidar kurz: “Personen, die einen Mord verübt haben”. Größere Kompetenz maßt sich Wikipedia dagegen an bei der Klärung der Frage, wer alles ein Mörder ist. Alphabetisch ordentlich gegliedert von A bis Z, listet eine Personenübersicht zum Thema, die Kategorie “Mörder”, mehr als 200 Personen auf – einige NS-Kriegsverbrecher, rund zwei Dutzend ehemalige Angehörige der RAF, die Mitglieder des Manson-Clans, ein paar bekannte Mordfälle und zahlreiche weniger bekannte, lange zurückliegende wie aktuelle. Frage: Macht eine solche Liste Sinn? Oder dient sie lediglich als Pranger, als Möglichkeit, bestimmte Personen oder Personengruppen mit einer “Böse”-Wertung zu verschlagworten? Auch unter den Aktivisten der deutschsprachigen Wikipedia herrscht hierüber alles andere als Konsens. Allerdings: Eine Löschung der umstrittenen Kategorie scheiterte bislang am Widerstand einer Benutzergruppe, deren Rechtsempfinden offensichtlich stark von einem auflagenstarken Boulevardblatt geprägt wird. Daß die Enzyklopädiekategorie “Mörder” immer stärker zum Betätigungsfeld wird für Editoren mit rechtspopulistischem Hintergrund und simpel gestricktem Law-and-Order-Denken, zeigt ein Paradeartikel aus dem Bereich – der Beitrag zu dem US-amerikanischen Black-Panther-Aktivisten, Buchautoren und langjährigen Todestrakt-Insassen Mumia Abu-Jamal.

Wer ist Mumia Abu-Jamal? Die Beantwortung dieser Frage hängt stark davon ab, wo man politisch steht. Für die US-amerikanische Justiz, für republikanische Hardliner, Law-and-Order-Anhänger, Konservative sowie die politische Rechte ist Abu-Jamal ein rechtskräftig verurteilter Polizistenmörder. Für Liberale, Linke, zahlreiche Menschenrechtsorganisationen und Prominente hingegen ist er ein Opfer des US-amerikanischen Justizsystems, ein wegen seiner Gesinnung zum Tode verurteilter politischer Häftling. In der Tat geben sowohl der Tathergang als auch der Verlauf des Verfahrens gute Gründe, an einem fairen Verfahren zu zweifeln. Die Abu-Jamal zur Last gelegte Tat – die tödlichen Schüsse auf den Polizisten Daniel Faulkner am 9. Dezember 1981 in Philadelphia anläßlich einer Verkehrskontrolle – wurde nie zweifelsfrei bewiesen. Widersprüchliche Zeugenaussagen, Fehler bei der Auswertung der Beweisstücke, eine als rassistisch und korrupt bekannte Stadtpolizei und schließlich zwei alternative Täter, die den Mord später zugaben oder von Verfahrensbeteiligten genannt wurden – unter normalen Umständen hätte all dies gereicht, essentielle Zweifel an der Version der Staatsanwaltschaft zu wecken. Hinzu kamen weitere ungünstige Umstände: eine desolate Verteidigung und schließlich die Tatsache, daß der Journalist Abu-Jamal Aktivist der Black Panther Party war – für nicht unmaßgebliche Teile des herrschenden Establishments somit ein idealtypischer Kandidat, um linksstehende gesellschaftliche Positionen exemplarisch in die kriminelle Ecke zu rücken.

Ist Mumia Abu-Jamal nun schuldig oder nicht? Auch bei Linken und Liberalen gibt es durchaus kritische Stimmen. Einige, darunter auch der US-amerikanische Filmemacher und Buchautor Michael Moore, halten es für nicht unwahrscheinlich, daß Abu-Jamal die tödlichen Schüsse abgefeuert hat. Wägt man allerdings alle Pro und Contras gegeneinander ab, bleibt nur eine Antwort: Die Frage nach Abu-Jamals Schuld läßt sich nicht zweifelsfrei beantworten. Einige User der deutschsprachigen Wikipedia-Ausgabe sehen das anders. Unbehelligt von einer Grundsatzdebatte oder gar administrativen Interventionen, versucht eine Handvoll Editoren mit rechtskonservativem bis rechtspopulistischem Background, den Personeneintrag zu Mumia Abu-Jamal in ihrem Sinn umzuschreiben. Das effizienteste Mittel, den weltweit bekannten Häftling zu diskreditieren, ist dabei die konstant zugewiesene und gegen alle Änderungsversuche verteidigte Kategorie “Mörder”.

Bereits rein ethisch gesehen begibt sich die deutsche Wikipedia mit dieser Kategorie auf äußerst dünnes Eis. Zum einen fragt man sich, welche Eigenschaften nun genau einen Mörder ausmachen. Die Wikipedia-Liste erweckt schon aufgrund der heterogenen Zusammenstellung nicht den Eindruck, hier besonders tiefschürfende Erkenntnisse zu liefern. Dies beginnt bereits bei der völlig beliebigen Personenzusammenstellung. Beispiel Nationalsozialismus: Hermann Göring sowie der SS-Obersturmbannführer und verurteilte NS-Kriegsverbrecher Heinrich Hamann sind in der Liste enthalten. Himmler, Heydrich sowie der Lagerkommandant Amon Göth, bekanntgeworden durch den Film “Schindlers Liste”, fehlen indes. Ebenso auch rechte Täter, die das Glück hatten, nie verurteilt zu werden – beispielsweise der Freikorpsoffizier Waldemar Pabst, verantwortlich für die Morde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, oder der NS-Richter Roland Freisler. Verurteilte RAF-Mitglieder wiederum sind in die Liste mit deutscher Gründlichkeit eingepflegt – obwohl Fragen nach konkreten Tatbeteiligungen bis heute nicht zweifelsfrei geklärt sind. Aufgeführt sind schließlich auch – hier kann die Killerfrage wohl als beantwortet gelten – die wegen zahlreicher Morde Ende der Sechziger Jahre verurteilten Mitglieder des Clans um Charles Manson.

Unfaire Prozesse, falsche Beweismittel und offensichtliche Justizirrtümer sind – siehe Mumia Abu-Jamal – kein Hinderungsgrund für die Aufnahme in die umstrittene Liste. Beispiel: Frances Elaine Newton, verurteilt wegen Mordes an ihrem Mann sowie ihren zwei Kindern und 2005 im Todestrakt von Huntsville/Texas mit der Giftspritze hingerichtet. Aufgrund unstimmiger Beweise, einer nicht so recht zur Tat passenden Angeklagten, einem Pflichtverteidiger, der sich um den Fall nicht kümmerte (selbst der Staat Texas entzog ihm später die Berechtigung für die Vertretung in Mordfällen; der texanische Todestrakt firmierte unter den Gefangenen zeitweilig als “Mock-Flügel”) und schließlich einem Justizsystem, daß aller offensichtlichen Schwächen zum Trotz weiterhin Hinrichtungen durchführt, erregte der “Fall Newton” über die USA hinaus Aufsehen. Der WDR sendete eigens einen Dokumentarfilm; lediglich Wikipedia läßt hier nur die offiziellen Quellen gelten.

In einigen Fällen sind die Editoren der umstrittenen Kategorie jedoch durchaus justizkritisch. Sind Richter einmal nicht so streng und erkennen auf mildernde Umstände, schreiten die editierenden Internet-Volksrichter flugs zur enzyklopädischen Urteilskorrektur. Um in der freien Enzyklopädie als “Mörder” geführt zu werden, tut es hilfsweise auch eine Verurteilung wegen einfachem Totschlag. Beispiel: Marianne Bachmeier – ein Fall, der in den Achtzigern durch die Presse ging, nachdem Bachmeier im Gerichtssaal den Mörder ihrer siebenjährigen Tochter erschossen hatte. Differenzierungen und Hintergründe mögen nicht so das Ding von Hobby-Lexikonschreibern sein, blutrünstige Details in aufmerksamkeitserheischender Ich-stand-fünf-Meter-vorm-Galgen-Aufsatzprosa indes schon. Ein weiterer Aspekt, der gegen diese Liste spricht, sind einige Personenartikel, deren Hauptinhalt fast ausschließlich aus minutiösen Hinrichtungsschilderungen besteht – gern auch solchen, die aus dem Ruder liefen. Verschärften Thrill bieten auch zwei weitere Kategorien. Zum einen die “Mörder”-Unterkategorie “Serienmörder”, ein Reservoir für die richtig harten Fälle. Ein Personenartikel-Link führt schließlich zur ultimativen Kickout-Kategorie in dem Bereich: “Kannibale”. Da hier Hannibal Lector mitschwingt, wären somit alle Bösen übersichtlich zusammengeführt. Schön, daß für einige Editoren nichts Schlimmeres vorstellbar zu sein scheint als Anthony Hopkins alias “Hannibal The Cannibal” auf DVD.

Fazit: Marianne Bachmeier, Mumia Abu-Jamal und eine schwarze Todeskandidatin zusammen mit durchgeknallten Serienkillern, der kompletten Siebzigerjahre-RAF, der Manson-Family und einigen Alibi-Kriegsverbrechern auf einer Liste, die nichts weiter bedient als denunziatorische Bedürfnisse – um so viel Möchtegern-Boulevard als Enzyklopädie zu verkaufen, mußte erst Wikipedia erfunden werden. Zur Ehrenrettung des populären Lexikons ist zu sagen, daß die Kategorie schon seit gut zwei Jahren auf der Abschußliste nicht weniger Projektaktivisten steht. Insgesamt gestartet wurden vier Löschanträge: im Dezember 2006, im Mai und September 2007 und im Juni 2008. Im August dieses Jahres landete die umstrittene Seite zudem in der Löschprüfung – einer Art projektinternen Revision für hartnäckige oder umstrittene Grenzfälle. Bemerkenswert an den seit 2006 stattgefundenen Diskussionen sind zwei Dinge: zum einen die Anzahl der Voten für “Behalten” oder “Löschen”, zum zweiten die wikijuristischen Haarspaltereien, welche die Fans der Kategorie ins Feld führten. Inhaltlicher Argumentationsstrang: Wer wegen Mord verurteilt wurde, ist nunmehr leiderleider ein Mörder. Organisatorischer Argumentationsstrang, ähnlich schwerwiegend: enzyklopädisches Chaos, wenn die Kategorie abgeschafft wird. Bemerkenswert an der Diskussion war schließlich auch, daß die Befürworter die inhaltliche Festlegung der Kategorie sowie die Zwinglichkeit ihrer Anwendung so behandelten, als seien sie in Stein gehauene Gesetze – und nicht hilfsweise Festlegungen, deren Anwendung sich als brauchbar erweisen kann oder eben nicht.

Was die Anzahl der Legionäre anbelangt, befanden sich die Gegner der Kategorie zunächst in der Defensive. Mit der Zeit wurden die Bedenkenträger allerdings immer mehr. Während beim ersten Löschantrag die Befürworter der Kategorie fast unter sich waren und den Löschantrag mit Kommentaren wie “Weihnachtsamnestie” bewitzelten, setzten sich bei den Folgeabstimmungen mehr und mehr User für eine Löschung der umkämpften Kategorie ein. Beim vierten Löschantrag befürworteten rund zwei Drittel der Teilnehmer die Löschung. Wo st 01, ein Administrator, dem man sicherlich nicht Unrecht tut, wenn man ihn dem Law-and-Order-affinen Teil der Adminschaft zurechnet, entschied nichtsdestotrotz: “bleibt erneut”. Stand der Diskussion auf der Löschprüfungsseite vom Juli dieses Jahres: wieder fast ausschließlich Voten, die eine Abschaffung der Kategorie fordern. Admin-Entscheidung hier: gar keine.

Die gute Frage ist letztendlich allerdings die, ob personenstigmatisierende Kategorien überhaupt abstimmungsfähig sind. Bricht die Kategorie “Mörder” Dämme, die vielleicht wichtig und notwendig sind? Für die Befürchtung, daß sich ein nicht unmaßgeblicher Teil der Wikipedia-Editoren aktiv an einen neuen “Fall Seigenthaler” heranarbeitet, sprechen derzeit leider eine Reihe von Beobachtungen. Zur Erinnerung: Die Behauptung eines anonymen Editors, der renommierte Journalist der New York Times sei in den Mord an John F. Kennedy verwickelt gewesen, stand 2005 monatelang unverändert in der englischsprachigen Wikipedia-Ausgabe. Erst nach massiven Interventionen von Seigenthaler selbst, und erst nachdem die Presse international auf den Fall eingestiegen war, wurde die rufschädigende Passage gelöscht. Aufgrund des katastrophalen Presseechos gilt der “Fall Seigenthaler” seither als der Informations-GAU von Wikipedia schlechthin. Einerseits gelobten die Wikipedia-Betreiber nach dem Seigenthaler-Desaster Besserung. Andererseits ist der Fall drei Jahre her – in der Web-2.0-Zeitzone von Wikipedia also eine halbe Ewigkeit. In Sicherheit wiegen könnten sich Wikipedia-Autoren zudem aufgrund einiger richterlicher Grundsatzentscheidungen. Tenor der aktuellen Rechtsprechung: Das freie Online-Lexikon sei grundsätzlich ähnlich anzusehen wie ein Internet-Forum. Juristisch gesehen ist es somit schon heute äußerst schwer, die Wikimedia Foundation für Inhalte, die in Wikipedia stehen, haftbar zu machen. Da die Erfahrung lehrt, daß das, was machbar ist, früher oder später auch gemacht wird, sieht es um die Zukunft von Wikipedia als halbwegs brauchbarer (und mitunter auch unterhaltsamer) Enzyklopädie nicht sehr gut aus. Gut möglich, daß entsprechend motivierte “User on Mission” Mittel und Wege finden, weitere enzyklopädisch verbrämte Personenpranger-Kategorien aufzumachen – zum Beispiel “Ladendieb”, “Schwarzfahrer”, “Drogenabhängiger” oder “Ehebrecher”.

Da der Trend im Internet sowieso verstärkt in Richtung Personendatenverwertung geht, inklusive Grauzonen wie offene Stalking-Portale, ist dieses Szenario weniger abwegig, als Gutmeinende annehmen. Die praktische Umsetzung denunziatorischer Kategorien in Wikipedia ist kinderleicht. Biografieartikel gibt es dort in Unmengen. Drogenaffairen von Popstars, eheliche Seitensprünge von Fernsehmoderatoren, die von Hartz IV lebende Indierockband-Sängerin, die mal ins Regal griff und an der Kasse das Bezahlen vergaß – sofern Fehltritte durch den entsprechenden Artikel gedeckt und mit “reputablen Quellen” belegt sind, spricht kein plausibler Grund für das wohl schlechteste aller denkbaren Zukunftsszenarios: eine in keine Grenzen mehr verwiesene Meute von Internetusern, die Zug um Zug weitere Wikipedia-Prangerkategorien aufgleist und diese peu à peu mit Personeneinträgen befüllt. Da Wikipedia-Autoren zum größten Teil per Pseudonym editieren und selbst auch die wikipedianischen Relevanzkriterien meist nicht erfüllen, sind sie persönlich zumindest vor einer möglichen Kategorie sicher: “Anonyme Schmierfinken”.

Günter Schuler

7 Reaktionen zu “Pranger-Kategorie für Personenartikel”

  1. Schwarze Feder

    In der aktuellen Diskussion zur Kategorie:Mörder wird versucht, eine neutrale Kategorie zu finden. Hier ist es wichtig, den Charakter von Kategorien zu unterscheiden.
    Relativ unproblematisch sind Themenkategorien, also Kategorien, die auf Artikel zu einem bestimmten Thema verweisen. Die in Themenkategorien aufgelisteten Links sagen nur aus: Artkel x behandelt das Thema Y (z.b.”der Artikel Gleichbehandlungsgesetz behandelt das Thema Diskriminierung”).
    Anders gestrickt sind Objektkategorien, wo nicht ein Thema eines Artikels, sondern dessen Gegenstand gemeint ist: x ist ein Y (Berlin ist eine Stadt). Da Objektkategorien also Aussagen treffen, unterliegen sie den strengen NPOV-Kriterien. Wenn man sich die zurechtgezimmerte Erklärung auf der Kategorienseite Kategorie:Mörder anschaut, dann halten sie keinesfalls den NPOV-Kriterien stand. Es ist Theoriefindung von der schlechtesten Sorte, die nicht auf reputablen Quellen basiert oder eine interdisziplinär hinterfragte Definition liefert, sondern ganz durchsichtig nur dazu dient, einen irgendwie handhabaren Kriterienkatalog zu präsentieren. Es müsste eigentlich mit reputablen Quellen dargelegt werden, dass “Mörder” eine wissenschaftlich sinnvolle und relevante Kategorie ist. Dieser Versuch wurde noch nicht einmal ansatzweise angegangen. Er würde auch scheitern, da bereits Hegel vor 200 Jahren in seinem Aufsatz “Wer denkt abstrakt” die Kategorie Mörder explizit als Musterbeispiel für falsches Abstrahieren anführte.
    Um diese Verletzung des NPOV zu umgehen, wurde daher vorgeschlagen, die Objektkategorie:Mörder durch die Themenkategorie:Mordfall zu ersetzen.

    Mich wundert in diesem Zusammenhang, dass die Kategorie:Sexismus und die Kategorie:Heterosexismus gelöscht wurden mit der Begründung, dass in diesen Kategorien Personen aufgelistet werden könnten und sie dann somit am Pranger stehen könnten(!). Ich musste hoch und heilig schwören niemals einen Artikel zu einer Person in die Kategorie Sexismus aufzuführen und sie wurde unter Vorbehalt wieder eingeführt. Die Kategorie:Heterosexismus bleibt nach wie vor gelöscht. Wichtiger als ein Überblick der vielfältigen Inhalte, die Wikpedia zum Thema Heterosexismus liefert, scheint das prophylaktische Verhindern einer potentiellen Prangerkategorie zu sein: da es ja sein könnte, dass ein Heterosexist in dieser Kategoire auftaucht und somit als Heterosexist angeprangert wird, vermeiden wir besser gleich dieses unangeneheme Thema Schwulen- und Lesbendiskriminierung als Kategorie.
    Vor dem Hintergrund einer seit vier Jahren bestehenden Kategorie:Mörder ist dieses übertrieben vorsichtige Verhalten unverhältnismäßig.

  2. andrax

    Meinen Glückwunsch, Günter Schuler, für diesen – mal wieder – unterhaltsamen und sehr differenzierenden Beitrag. Mit dem aufgegriffenen Thema aus dem Alltag der Wikipedia spricht dein Artikel zu gleich viele strukturelle Probleme der Wikipedia an und bestätigt auch deine Feststellung in dem Buch, dass die - sagen wir es mal so - “Wissens”-produktion in dieser Hoppy-Enzyklopädie vorwiegend von “weißen” und männlichen Zeitgenossen verbockt wird. Interessant ist dabei, dass viele Akademiker hier eine wohl dem eigenen Standesdünkel akzeptable Form gefunden zu haben scheinen, ihren Bedürfnisse Ausdruck zu verleihen, die ansonsten in diesem Lande beim Lesen der Bildzeitung befriedigt werden müssen.

  3. Free Mumia

    Auch ich als Befürworter einer Freilassung, fand die Diskussion teilweise beschämend. Allerdings haben sich beide Seiten nicht mit Ruhm bekleckert. Denn das Problem ist nicht (wir hier süffisant aber falsch dargestellt) die politische Einstellung der Streiter, sondern die schon fast programmatische Einstellung der Ablehner der Kategorie. Der User Escobar hat es eigentlich am besten dargestellt. Nicht die Einschätzung des spezifischen Falles ist ausschlaggebend, sondern die Funktionalität der Kategorieeinteilung. Und hier liegt der Knackpunkt: Nicht die Kategorie oder deren Kriterien sind falsch - schlicht und einfach deren Benennung. “Wegen Mordes verurteilt” würde wertfrei sein, ohne Diskriminierung. Doch anstatt sich wirklich um Mumia zu sorgen oder eine vernünftige Kategoriediskussion zu führen wird hier auf Kosten Mumias und der Wikipedia politisiert und polemisiert. Da verzichte ich gerne auf “Mitstreiter” wie Ulitz und Co. Denn es sind nicht alle rot, braun, schwarz oder irgendwie farbig, wie vom Gegner gerne behauptet. Dies auch an Schuler, der sich mit seinen Worten oben leider von solchen Wert- und Vorurteilen distanziert, sondern gar zu eigen macht.

  4. Schwarze Feder

    @Free Mumia

    >Nicht die Kategorie oder deren Kriterien sind falsch - schlicht und einfach deren Benennung

    Die Kategorie ist falsch, weil sie falsch benennt.

  5. MX - 2

    Die Kategorie:Mörder wurde erneut zur Löschung vorgeschlagen. Ob diesmal die Kategorie gelöscht oder umbenannt wird, hängt davon ab, ob sich genügend Leute sich dafür aussprechen und ob diesmal ein Administrator dem folgt. Die Löschdiskussion findet sich hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProjekt_Kategorien/Diskussionen/2008/September/27

  6. Nazipedia

    In der Löschdiskussion läuft es schon wieder so, wie es auch bei den anderen Anträgen gelaufen ist: Die übliche Zeit von maximal sieben Tagen zur Diskussion ist mittlerweile überschritten, die Lage war schon nach zwei Tagen mehr als eindeutig für das Löschen. Trotzdem gibt es noch immer keine Entscheidung von Adminseite. Ich denke, dass sie es sich nicht noch einmal erlauben können, hier pro Behalten zu entscheiden, daher wird nun Strategie B gefahren, nämlich auch diesen Löschantrag wieder ins Nichts laufen zu lassen. Er wird unerledigt im Archiv landen, so dass die üblichen Verdächtigen beim nächsten Löschantrag der Kategorie wieder ihr Formalargument des “Wiederholungsantrags” bringen können.

  7. MX - 2

    Nachdem eine deutliche Mehrheit sich für die Löschung der Pranger-Kategorie Mörder ausgesprochen hat und auch der kleinen Minderheit der Behalten-Fraktion argumentativ überlegen war, wurde diese Kategorie nach zwei Jahren Streit endlich gelöscht.
    Doch damit geben sich die Behalter-Fraktion nicht zufrieden, jetzt gibt es eine Löschprüfung, wo insbesondere die Unzulässigkeit des Löschantrags und die angebliche Verwendung von Sockenpuppen behauptet wird.
    Damit diese Löschprüfung nicht unbemerkt vonstatten geht, hier nochmal die ULR: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Löschprüfung#Kategorie:Mörder

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